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Festival für frühe Musik im Gotischen Haus Burgheßler 2010

Die Leier der Sagenhaften Sänger 

10.-12. September 2010

Leier von Trossingen. Kopie von Rainer Thurau.

Das Festival für frühe Musik im Gotischen Haus Burgheßler 2010 beschäftigt sich mit einem der frühsten und meist verbreiteten Instrumente der Geschichte – der Leier. Schon zu biblischen Zeiten besänftigte David Saul mit seinem Leierspiel. Die Geschichte von Orpheus, der durch sein Leierspiel seine Braut aus der Unterwelt befreien durfte, zeugt für die Popularität der Leier unter den klassischen Griechen, wo regelmäßige Wettbewerbe das hohe Können der Spieler förderte. Eine Geschichte aus Nowgorod in Russland erzählt von dem sagenumwobenen Sadko, der mit einem leierartigen Instrument, den Meereskönig begeisterte. „Beowulf“, die älteste angelsächsische Geschichte, wurde sicherlich von der Leier begleitet.

Im Frühmittelalter war die germanische Leier im ganzen deutschsprachigen Raum verbreitet, und die frühsten archäologischen Saiteninstrumentenfunde Europas sind Leiern des 6.-8. Jahrhunderts aus Gräbern in Deutschland und England. Funde des 11.-15. Jahrhunderts aus Nowgorod in Russland haben auch die Form einer Leier. In Wales hielt die Tradition der gestrichenen Leier oder „Crwth“ bis ins 18. Jahrhundert. Die Leier in der Ikonographie ist ein Symbol der Musik schlechthin. Seitdem eine komplette Leier des 6. Jahrhunderts in Trossingen bei Ausgrabungen 2001 geborgen werden konnte, ist das Interesse für die Leier weltweit gestiegen.

 

Das Festival im Gotischen Haus ist die erste internationale Veranstaltung, die Leierspieler, -forscher und -bauer der ganzen Welt zum Austausch zusammenbringt. Eingeladen sind die führenden Interpreten der Leier, die sich um den uralten Brauch des Erzählens und Singens zur Leier bemühen.

Ben Bagby hat durch seine Erzählungen aus Beowulf der Leier zu neuer Popularität verholfen. Robert Evans ist einer der wenigen Spieler der gestrichenen walisischen Leier und begleitet frühmittelalterliche walisische Gedichte des 9. Jahrhunderts, gesungen von Mary-Anne Roberts.  

Die berühmte Leier von Ur (ca. 2600-2400 BC) mit ihren kostbaren Verzierungen wurde bei der Stürmung von Bagdad völlig zerstört. Unter der Leitung von Andy Lowings aus England haben Künstler und Musikinstrumentenbauer aus der ganzen Welt in einem gemeinsamen Projekt diese Leier genau rekonstruiert, um diesen unschätzbaren Verlust wenigstens teilweise auszugleichen, und dem irakischen Volk eine Kopie der Leier für das Museum in Bagdad zurück zu geben. Zuvor geht diese Leier mit Demonstrationskonzerten um die Welt, und kommt zu unserem Leierfestival ins Gotische Haus. Bill Taylor (Schottland) bemüht sich um die Spielweise der Leier und begleitet dabei Jennifer Sturdy (England), die babylonische Verse dazu vorträgt.  Diese Geste der Völkerverständigung wollen wir beim Festival besonders hervorheben.  

 

Es finden am Freitag und Samstag Konzerte statt. Da die verloren gegangene Spielweise der Leier durch Forschung, vergleichende Musikethnologie und Organologie wieder erarbeitet werden muss, werden die Interpreten auch Workshops und Vorträge anbieten. Instrumentenbauer werden ihre Erfahrungen austauschen. Es handelt sich dabei um das erste internationale Leier-Festival überhaupt. Es gibt die Gelegenheit, die verschiedenen Rekonstruktionen der Spieltradition und Spieltechnik zu vergleichen. 

 

Das Programm „Sadko der Spieler“ am Sonntag Nachmittag verbindet Schattenspiel, Erzählung, Musik und Tanz.

 

Weitere Forscher und Spieler sind eingeladen, aber noch nicht alle haben fest zugesagt. Wir werden den neuesten Stand immer hier auf der Website veröffentlichen.  

Für die freundliche und großzügige Unterstützung danken wir: dem Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt, dem Burgenlandkreis, der Verbandsgemeinde "An der Finne", der Sparkasse Burgenlandkreis.

 

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